zu Ido und Bimbo

Hallo! 

Ich bin Ivi Igel und wohne in Thasia am Plätscherbach.
Wenn du mehr über mich und meine Familie erfahren willst, lass dir „Die Helden von Thasia“, Band 1 „Fuchsgefahr“ und Band 2 „Hochwasser“ schenken.

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Die Zuckertütenwette


Eine Woche vor der Schuleinführung betritt die Igelmutter wie jeden Morgen das Kinderzimmer. Ivi freut sich, dass sie bald in die Schule kommt und hüpft auf dem Bett herum. Ehrlich gesagt, die Schule ist ihr egal – aber die Aussicht auf die Zuckertüte lässt sie gleich höher hopsen!

„Mädel, was machst du denn?“, mahnt die Mutter, „dabei gehen die Federn entzwei!“

„Wenn ich bis an die Decke hopse, hat Vati gesagt, wird die Zuckertüte genauso groß wachsen.“

„Der Vati sagt das?“

„Ja, der Vati hat mir das erlaubt“, flötet sie wichtigtuerisch zu ihrer Entlastung und wippt weiterhin auf dem Bett herum. „Frag ihn doch!“

„Ich glaube, die Zuckertüte könntest du gar nicht tragen, wenn sie bis zur Decke reicht. Wie sollen wir das Monstrum durch die Tür bekommen? Ich glaube, Ivi, dein Vater hat geflunkert. Solch große Tüten gibt es gar nicht.“

Ido nimmt ein Kissen und schleudert es zu seiner Schwester. Sie fällt zurück auf ihr Kissen. „Na warte, da hast du es wieder!“ Es beginnt eine fröhliche Kissenschlacht, bis die Federn fliegen und die Mutter erneut eingreifen muss.

Ido läuft ins Bad. Die Mutter öffnet die Vorhänge: „Stell dir vor, Ivi, Tante Ideta wird dir das Festkleid für die Schuleinführung nähen, denn sie ist eine perfekte Schneiderin. Das wird gleich dein Geschenk zum Schulanfang sein.“

„Und die Zuckertüte? Bringt sie mir etwa keine Zuckertüte mit?“ Ivi lässt sich von der Mutter die Schuhe anziehen.

„Ivi, das ist bereits ein großes Geschenk! Wozu brauchst du eine zweite Zuckertüte? Schließlich wächst deine große am Zuckertütenbaum.“

„Aber ich will die meisten haben. Pilo vom Stelzenbach hat gesagt, dass er bestimmt vier bekommt.“

„Mädel, es kommt nicht darauf an, viele zu haben. Zuckertüten sind als Ansporn gedacht, in der Schule fleißig zu lernen. Sie sollen dir nur den Schulanfang versüßen. Falls Pilo die meisten hat und bemerkt, dass du dich mit ihm freust, freut er sich umso mehr. Geteilte Freude ist doppelte Freude.“

Als Frau Igel am Nachmittag den Kaffeetisch deckt und das Gebäck auf einen Teller schichten will, klopft es an der Haustür. – Das kann nur Tante Ideta sein! Bevor Ivi die Tür öffnet, schaut sie aus dem Fenster: Ob sie nicht vielleicht doch eine Zuckertüte mitbringt? Ivi erkennt, dass sie nur Taschen und Beutel bei sich trägt. Enttäuscht öffnet sie die Tür derart weit, dass sie sich dahinter verstecken kann. Mutter, Vater und Ido begrüßen Tante Ideta und retten die peinliche Situation.

Ivi hält sich eine Weile an der Klinke fest und schmollt. Schließlich begrüßt sie die Tante mit einem Knicks. Es kommt das übliche ,Ach-bist-du-aber-groß-geworden.’ Tante Ideta drückt das Mädchen an sich. „Komm, ich hab dir und Ido etwas mitgebracht!“

Der zweite Satz klingt schon besser. Ivis Laune steigt wie morgens die Sonne am Himmel. „Ja? Wo hast du das?“ Gleich will sie die größte Tasche ins Wohnzimmer tragen. Aber die ist so schwer, dass die Kleine nur hilflos zerrend am Henkel hängt. Die blöde Tasche denkt nicht daran, sich zu rühren.

Mutter Igel zieht Ivi beiseite und mahnt leise, dass man nicht betteln darf und abwarten muss.

Ivi protestiert: „Ich hab nicht gebettelt. Ich hab doch nur gefragt, wo das ist!“

Schmunzelnd gibt Vater Igel seiner Tochter einen kleineren Beutel und nimmt die schwere Tasche selbst. Danach setzt er sich aufs Sofa und schaut amüsiert zu, wie Tante Ideta in der großen braunen Tasche wühlt und Ivi bald vor Neugier platzt. Inzwischen stellt Ido zwei Stühle für sich und seine Schwester an den Couchtisch. Unruhig rutscht das Mädchen darauf herum. „Was hast du mir eigentlich mitgebracht?“

„Das wirst du gleich sehen, meine Kleine. Doch ich habe erst Idos Mitbringsel gefunden.“ Sie holt ein großes, schweres Paket hervor.

Ivi staunt: „Ohhhr, ist dein Geschenk groß!“ Während Ido es aufpackt, kullern ihre Augen vor Neugier bald aus dem Kopf. Endlich kommt eine Kiste zum Vorschein – ein Baukasten mit Drähten.

Sofort fällt Ivis Spannung, als hätte jemand den Schalter auf Null gedreht. Sie rutscht vom Stuhl und ist froh, dass sie dieses Geschenk nicht bekommen hat. Ihr Bruder dagegen ist begeistert und blättert gleich in der Bastelanleitung.

Unterdessen hat die Tante Ivis Päckchen gefunden. „Das ist zwar etwas kleiner als Idos, dafür bekommst du aber ein Kleid zur Schuleinführung.“

Ivi hört gar nicht mehr zu. Ihre Augen strahlen plötzlich wie zwei Sterne am Nachthimmel. Sie sieht nur auf zwei winzige Zuckertüten, die sich auf dem Päckchen befinden. „Zwei Zuckertüten“, quiekt sie, „zwei Zuckertüten hast du mir geschenkt!“ Sie umarmt ihre Tante, die sich gar nicht erklären kann, weshalb sich das Mädchen über die winzigen Zuckertüten so freuen kann. „Ivi, schau dir dein Geschenk an, die sind nur Zierde!“

„Aber es sind zwei Zuckertüten und wenn die große vom Baum dazukommt, sind es schon drei.“ Sie läuft mit dem verschnürten Päckchen in die Küche, um es ihrer Mutter zu zeigen und erzählt ihr, dass sie jetzt drei Zuckertüten haben wird.

Die Mutter streicht ihr über den Kopf. „Schau doch erst einmal in dein Paket hinein!“

Ivi löst das Geschenkband und sieht einen blumigen Karton. Was kann das sein? Als sie ihn aus dem Papier holt, schaut sie ein Igelpüppchen durch ein Folienfenster an. „Oh! Guck mal Mutti, eine Puppe!“

„Die ist aber hübsch!“, lobt die Mutter laut, damit es Tante Ideta in der Stube hören kann. Ivi geht mit Karton und Puppe ins Wohnzimmer zurück und bedankt sich. Flugs schneidet sie die beiden Zier-Zuckertüten ab und legt sie auf ihren Platz am Tisch. Sie sind zu wichtig, als dass sie irgendwo mit dem Papier und dem Karton verschwinden dürfen. Doch als sie die Tütchen in der Pfote hält, klappert etwas darin. „Da ist sogar etwas drin“, flötet sie und meint, dass die Zuckertüten damit echt sind und nicht bloß ,Zierde’. Als sie die blaue öffnet, kommen drei Bonbons herausgerutscht. In der roten kleben zwei Gummi-Igel. Die steckt sie in ihr Mäulchen. Die Bonbons schiebt sie zurück.

Mutter Igel bringt den großen Gebäckteller, der heute besonders voll ist. Sie stellt die Kaffeekanne und die Leckereien in die Mitte und bittet zu Tisch.

Ein schöner Tag neigt sich dem Ende. ,Nun werden wir ja sehen, wer die meisten Zuckertüten hat.’ Ivi spekuliert, dass die Oma vielleicht ebenfalls eine mitbringt. Zufrieden spielt sie bis zum Abend mit der Puppe, die Erwachsenen unterhalten sich und Ido bastelt mit dem neuen Baukasten.

 

Als am nächsten Tag Igelvater Ericho seine Pfeife raucht und dabei bedächtig im Schaukelstuhl wippt, räumen die beiden Frauen die Stube um. Sie brauchen Platz für den Stoff, um Ivis Kleid zuzuschneiden. Doch erst muss das Mädchen stillstehen, damit die Tante Maß nehmen kann.

Ist das nervig! Sie würde lieber mit der neuen Puppe spielen, schaut sich aber dann doch den Stoff an. Er ist samtartig und dunkelgrün. Doch sie möchte ihn lieber rot und rote Schuhe dazu.

„Ivi, Rot hast du alle Tage an.“ Ihre Mutter zeigt ihr das Bild auf dem Schnittbogen. „So wird es aussehen, wenn es fertig ist.“

Ivi staunt. Aus dem Stück, das aussieht wie eine Tischdecke, will die Tante solch ein hübsches Kleid schneidern? Nun ist sie zufrieden und die beiden Frauen gehen ans Werk.

Der Tag vergeht wie im Fluge, Ivi spielt mit der neuen Igelpuppe und Ido bastelt bereits das dritte Modell. Diesmal soll es ein Morsegerät werden.

Am Nachmittag ist der Stoff für das Kleid gesteckt. Ivi muss es anprobieren. Tante Ideta guckt kritisch über ihre Brille, zupft hier und da, steckt eine Nadel hierhin und eine dahin und berät sich mit der Mutter. Danach ändert Tante Ideta ein bisschen daran herum und heftet. Anderntags will sie es nähen, deshalb muss es heute Abend perfekt sitzen.

Nach einer letzten Anprobe legt die Tante ihr Werk zufrieden in den Nähkorb. Ihre komische halbe Brille, über die sie stets wie der Herr Rabe schaut, setzt sie endlich ab und sieht gleich viel besser aus. Ivi ist froh, dass die Probiererei nun ein Ende hat.

Kahlschlag am Grenzfelsen

Der nächste Morgen ist neblig und grau. Tante Ideta blickt besorgt aus dem Fenster. „Heute ist schlechtes Licht zum Nähen und der Stoff ist so dunkel!“

Vater Igel meint, dass er ihr mit einer Wandlampe helfen könne und holt die Werkzeugkiste.

„Das ist ja ,knorke wie Borke’!“, meint die Tante und Ivi fragt, was das ist.

„Das ist bei uns ein Spruch, wenn alles gut klappt oder passt. Wir haben ihn erfunden, um damit unsere Freude auf lustige Weise auszudrücken.“ Vater Igel schraubt die Lampe an die Wand. Nach dem Essen rattert die Nähmaschine und Mutter Igel schaut interessiert zu.

Es klopft an der Tür. Das leise Summen verrät, dass es die Postfrau ist. Mutter Igel staunt: „Bei diesem Wetter fliegt die Hummel herum?“ Demzufolge muss es etwas sehr Wichtiges geben.

Vater Igel öffnet und eine aufgeregte Hummel berichtet: „Summ, stellen Sie sich vor, Herr Igel, am Grenzfelsen im Hügelland, summ, wo die Schwester Ihrer Frau herkommt, summ, sind Menschen aufgetaucht, summ! Frau Taube von der Luftpost sagt, dass sie den Fichtenwald rings um den Felsen abholzen wollen! Summm, summm!“

„Kommen Sie bitte herein, Frau Hummel! Diese Neuigkeit muss Ideta unbedingt erfahren.“

Ivis Tante hat es bereits mitbekommen. Bestürzt eilt sie zu Frau Hummel, die inzwischen über dem Abstreicher schwirrt. „Oh je, wie soll ich mein Zuhause finden, wenn die Bäume mir den Weg versperren?“

„Summ, ziehen Sie aus, bevor es zu spät ist, summ! Ich muss weiterfliegen, summm, summm!“

Als Frau Hummel fort ist, setzt sich Familie Igel um den kleinen Tisch und hält Familienrat. Die Mutter schlägt vor, dass ihre Schwester bleiben könnte, bis die Menschen die Bäume abgeholt haben. Vater Igel wehrt energisch ab: „Das kann lange dauern!“

„Ericho, sie soll bis zur Schuleinführung bleiben und Oma... Wird Oma am Zaubersee nicht ebenfalls davon betroffen sein? Der liegt doch am Grenzfelsen.“ Ideta nickt. 

Ivi dagegen sieht ihre Spekulation auf die Zuckertüte gefährdet und fragt erschrocken: „Kann die Oma nun nicht kommen?“ 

„Nein, wenn bis dahin das Holz nicht abtransportiert ist, komme ich nicht durch“, meint Ideta. „Deshalb wird es besser sein, wenn ich auf den Rat der Hummel höre und gleich nach Hause gehe. Es gibt keine andere Lösung.“


Tscha, liebe Kinder, Ivi ist traurig. Tante Ideta läuft nun also nach Hause und es sieht so aus, als könnten sie und Oma nicht mit Igels feiern. Dann würde Ivi die Wette verlieren. Die ganze Geschichte „Die Zuckertütenwette“ könnt ihr euch im Buch „Die Helden von Thasia, Fuchsgefahr“ vorlesen lassen und ihr werdet sehen, es gibt noch eine Überraschung! 


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Die Bücher  sind illustriert von Luise Jüttner.
Für Band 1 gibt es ein Malheft oder ein lustiges Frage- und Antwort-Spiel auf CD.

Im Band 2 ist eine Audio- CD eingebun- den, auf der die Autorin vorliest.

 

 

 

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